1915 Кары (сборник) - Кафка Франц
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Der Reisende dagegen war sehr beunruhigt; die Maschine ging offenbar in Tr"ummer; ihr ruhiger Gang war eine T"auschung; er hatte das Gef"uhl, als m"usse er sich jetzt des Offiziers annehmen, da dieser nicht mehr f"ur sich selbst sorgen konnte. Aber w"ahrend der Fall der Zahnr"ader seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, hatte er vers"aumt, die "ubrige Maschine zu beaufsichtigen; als er jedoch jetzt, nachdem das letzte Zahnrad den Zeichner verlassen hatte, sich "uber die Egge beugte, hatte er eine neue, noch "argere "Uberraschung. Die Egge schrieb nicht, sie stach nur, und das Bett w"alzte den K"orper nicht, sondern hob ihn nur zitternd in die Nadeln hinein. Der Reisende wollte eingreifen, m"oglicherweise das Ganze zum Stehen bringen, das war ja keine Folter, wie sie der Offizier erreichen wollte, das war unmittelbarer Mord. Er streckte die H"ande aus. Da hob sich aber schon die Egge mit dem aufgespiessten K"orper zur Seite, wie sie es sonst erst in der zw"olften Stunde tat. Das Blut floss in hundert Str"omen, nicht mit Wasser vermischt, auch die Wasserr"ohrchen hatten diesmal versagt. Und nun versagte noch das letzte, der K"orper l"oste sich von den langen Nadeln nicht, str"omte sein Blut aus, hing aber "uber der Grube ohne zu fallen. Die Egge wollte schon in ihre alte Lage zur"uckkehren, aber als merke sie selbst, dass sie von ihrer Last noch nicht befreit sei, blieb sie doch "uber der Grube. "Helft doch! " schrie der Reisende zum Soldaten und zum Verurteilten hin"uber und fasste selbst die F"usse des Offiziers. Er wollte sich hier gegen die F"usse dr"ucken, die zwei sollten auf der anderen Seite den Kopf des Offiziers fassen, und so sollte er langsam von den Nadeln gehoben werden. Aber nun konnten sich die zwei nicht entschliessen zu kommen; der Verurteilte drehte sich geradezu um; der Reisende musste zu ihnen hin"ubergehen und sie mit Gewalt zu dem Kopf des Offiziers dr"angen. Hiebei sah er fast gegen Willen das Gesicht der Leiche. Es war, wie es im Leben gewesen war; kein Zeichen der versprochenen Erl"osung war zu entdecken; was alle anderen in der Maschine gefunden hatten, der Offizier fand es nicht; die Lippen waren fest zusammengedr"uckt, die Augen waren offen, hatten den Ausdruck des Lebens, der Blick war ruhig und "uberzeugt, durch die Stirn ging die Spitze des grossen eisernen Stachels.
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Als der Reisende, mit dem Soldaten und dem Verurteilten hinter sich, zu den ersten H"ausern der Kolonie kam, zeigte der Soldat auf eines und sagte: "Hier ist das Teehaus. "
Im Erdgeschoss eines Hauses war ein tiefer, niedriger, h"ohlenartiger, an den W"anden und an der Decke verr"aucherter Raum. Gegen die Strasse zu war er in seiner ganzen Breite offen. Trotzdem sich das Teehaus von den "ubrigen H"ausern der Kolonie, die bis auf die Palastbauten der Kommandatur alle sehr verkommen waren, wenig unterschied, "ubte es auf den Reisenden doch den Eindruck einer historischen Erinnerung aus und er f"uhlte die Macht der fr"uheren Zeiten. Er trat n"aher heran, ging, gefolgt von seinen Begleitern, zwischen den unbesetzten Tischen hindurch, die vor dem Teehaus auf der Strasse standen, und atmete die k"uhle, dumpfige Luft ein, die aus dem Innern kam. "Der Alte ist hier begraben", sagte der Soldat, "ein Platz auf dem Friedhof ist ihm vom Geistlichen verweigert worden. Man war eine Zeitlang unentschlossen, wo man ihn begraben sollte, schliesslich hat man ihn hier begraben. Davon hat Ihnen der Offizier gewiss nichts erz"ahlt, denn dessen hat er sich nat"urlich am meisten gesch"amt. Er hat sogar einigemal in der Nacht versucht, den Alten auszugraben, er ist aber immer verjagt worden." "Wo ist das Grab?" fragte der Reisende, der dem Soldaten nicht glauben konnte. Gleich liefen beide, der Soldat wie der Verurteilte, vor ihm her und zeigten mit ausgestreckten H"anden dorthin, wo sich das Grab befinden sollte. Sie f"uhrten den Reisenden bis zur R"uckwand, wo an einigen Tischen G"aste sassen. Es waren wahrscheinlich Hafenarbeiter, starke M"anner mit kurzen, gl"anzend schwarzen Vollb"arten. Alle waren ohne Rock, ihre Hemden waren zerrissen, es war armes, gedem"utigtes Volk. Als sich der Reisende n"aherte, erhoben sich einige, dr"uckten sich an die Wand und sahen ihm entgegen. "Es ist ein Fremder", fl"usterte es um den Reisenden herum, "er will das Grab ansehen." Sie schoben einen der Tische beiseite, unter dem sich wirklich ein Grabstein befand. Es war ein einfacher Stein, niedrig genug, um unter einem Tisch verborgen werden zu k"onnen. Er trug eine Aufschrift mit sehr kleinen Buchstaben, der Reisende musste, um sie zu lesen, niederknien. Sie lautete: "Hier ruht der alte Kommandant. Seine Anh"anger, die jetzt keinen Namen tragen d"urfen, haben ihm das Grab gegraben und den Stein gesetzt. Es besteht eine Prophezeiung, dass der Kommandant nach einer bestimmten Anzahl von Jahren auferstehen und aus diesem Hause seine Anh"anger zur Wiedereroberung der Kolonie f"uhren wird. Glaubet und wartet! " Als der Reisende das gelesen hatte und sich erhob, sah er rings um sich die M"anner stehen und l"acheln, als h"atten sie mit ihm die Aufschrift gelesen, sie l"acherlich gefunden und forderten ihn auf, sich ihrer Meinung anzuschliessen. Der Reisende tat, als merke er das nicht, verteilte einige M"unzen unter sie, wartete noch, bis der Tisch "uber das Grab geschoben war, verliess das Teehaus und ging zum Hafen.
Der Soldat und der Verurteilte hatten im Teehaus Bekannte gefunden, die sie zur"uckhielten. Sie mussten sich aber bald von ihnen losgerissen haben, denn der Reisende befand sich erst in der Mitte der langen Treppe, die zu den Booten f"uhrte, als sie ihm schon nachliefen. Sie wollten wahrscheinlich den Reisenden im letzten Augenblick zwingen, sie mitzunehmen. W"ahrend der Reisende unten mit einem Schiffer wegen der "Uberfahrt zum Dampfer unterhandelte, rasten die zwei die Treppe hinab, schweigend, denn zu schreien wagten sie nicht. Aber als sie unten ankamen, war der Reisende schon im Boot, und der Schiffer l"oste es gerade vom Ufer. Sie h"atten noch ins Boot springen k"onnen, aber der Reisende hob ein schweres geknotetes Tau vom Boden, drohte ihnen damit und hielt sie dadurch von dem Sprunge ab.