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»Und was hast du ihm geantwortet?«
»Dass Frank dich beleidigt hat.«
Eva fьhlte, wie sie ganz zittrig wurde innen, sie fьhlte sich schwach und ihr Magen wurde zu einem Klumpen.
»Weil er gesagt hat, dass ich ein FettkloЯ bin?«
Michel wurde rot, schaute auf sein Glas, nickte.
»Aber ich bin dick«, sagte Eva und der Klumpen in ihrem Bauch lцste sich. »Ich bin ein FettkloЯ.« Sie musste lachen. »Hast du das denn nicht gesehen, Michel?«
»Schon«, sagte er. »Natьrlich habe ich es gesehen.«
Der Klumpen war ganz weg, ganz weich war ihr Bauch und angenehm warm. Eva legte ihre Hдnde auf den Tisch. Mit der linken Hand, die das Colaglas umklammert hatte, ganz dicht an ihrem Kцrper, schob sie das Glas weiter in die Mitte des Tisches, und die rechte, die sie vorher auf ihrem SchoЯ liegen gehabt hatte, fest zu einer Faust geballt, legte sie offen auf den Tisch, nahe zu Michels Hдnden.
»Trotzdem, den Frank geht es einen ScheiЯdreck an, ob du dick bist oder nicht.«
Er nahm ihre Hand.
Sie gingen am Fluss entlang.
»Bald fahre ich weg«, sagte Michel. »Es dauert nicht mehr lange.«
Eva nickte. »Schreibst du mir?«
»Natьrlich. Du mir auch?«
Michel legte den Arm um sie. Eva lachte und schaute den Vorьbergehenden direkt ins Gesicht. »Schaut her«, hдtte sie am liebsten laut gerufen. »Schaut alle her! Ich habe jemand. Ich, die dicke Eva, habe einen Freund.«
Sie waren aus den Anlagen heraus, gingen am Ufer
entlang, ьber Kies und moosbewachsene Steine. EvЈ ging langsam, vorsichtig. Sie wusste, "was kommer wьrde.
Sie trafen einen Angler, der reglos dastand und der rotweiЯen Schwimmer an seiner Angelschnur beobachtete, der weit drauЯen in der Strцmung trieb.
Dann war niemand mehr.
Michel ging vor, bahnte den Weg durch das Buschwerk und hielt die Zweige zur Seite. Auf einer kleiner Lichtung setzten sie sich ins Gras. Eva pflьckte einer Grashalm und kaute darauf herum. Er schmeckte bitter.
»WeiЯ deine Mutter, dass du bei mir bist?«, fragte Michel.
»Nein, sie denkt, ich wдre bei einer Freundin.«
Michel lachte. »Ich habe zu Hause auch nichts gesagt, wegen Ilona.«
»Meint sie immer noch, dass ich an allem schule bin?«
»Ja. Sie liebt Frank. Ich weiЯ auch nicht, warum.«
»Dich nicht?«
»Doch. Mich auch.«
Sie lagen nebeneinander im Gras, dicht nebeneinander.
Eva war wehrlos unter Michels Streicheln, seinen Atem an ihrem Hals, seinen Hдnden.
»Nein«, sagte sie. »Nicht.«
»Nicht«, sagte sie. »Noch nicht.«
Sie richtete sich auf. »Ich will nicht. Nicht jetzt.«
»Aber du bist doch mein Mдdchen«, sagte Michel hilflos. »Ich bin dein Freund. Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben.«
Angst? War das Angst?
Sie nahm einen Kдfer, der ьber ihr Bein krabbelte, vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und setzte ihn zurьck ins Gras. Dann streckte sie sich wieder neben Michel aus.
»Die Sonne blendet.«
»Jetzt nicht mehr.« Michel legte sein Gesicht ьber ihres. Eva hцrte eine Hummel an ihrem Ohr vorbeibrummen. Sie kьssten sich. Michels Augen waren nicht mehr so braun, um die Pupillen herum hatte er graugrьne Flecken. Wie lang seine Wimpern waren!
»Das mag ich«, sagte Eva. »Das schon: so mit dir zu liegen.«
Michel streichelte sie. Seine Hдnde! Eva lag mit geschlossenen Augen. »Du bist ein schцnes Mдdchen«, sagte Michel.
Das Dunkel war kein Dunkel. Vor ihren Augen zersprangen rote Kreise, sprьhten Funken in violette Nebel.
»Nein«, sagte Eva. »Ich will das nicht. Nicht jetzt. Nicht so. Ich weiЯ nicht, warum, aber es macht mir Angst.«
Michel antwortete nicht. Sie stemmte ihre Arme gegen ihn. Er rutschte von ihr herunter. Er hatte die
Arme um sie gelegt, drьckte sich an sie, drдngte von der Seite gegen ihr Bein. Wie ein Hund, dachte Eva erschrocken. Genau wie ein Hund.
Sie sah dieses nackte Gesicht, dieses fremde Gesicht, schutzlos, hilflos, mit geschlossenen Augen, sah die geцffneten Lippen, sah die Haut, gespannt ьber den Backenknochen, die etwas unregelmдЯigen Zдhne, die Eckzдhne standen vor. Seine Nasenflьgel waren sehr dьnn und zitterten. Noch nie hatte Eva ein so nacktes Gesicht gesehen. Michel atmete sehr laut und schnell.