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Bitterschokolade (Горький шоколад)
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Пресслер Мириам

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Eva schaute dem Mдdchen zu, das schon wieder mit bedдchtigen Bewegungen Zweige von einem blьhen­den Strauch schnitt. Ilona war ein unpassender Name fьr so ein Mдdchen, ein Name, der nach Lagerfeuer und Zigeunermusik klang.

Eva half Michel beim Zurechtrьcken der Bдnke und beim Verteilen der Limoflaschen. Michel grinste: »Bier gibt es drin an der Theke. Das muss man kaufen.«

»Trinkst du schon Bier?«

Michel lachte. »Hast du geglaubt, ich war' ein Ba­by?«

»Nein, aber das Tueendschutzeesetz ...« Eva war

verwirrt.

»Ach das«, antwortete Michel verдchtlich. »AuЯer­dem bin ich gestern sechzehn geworden.«

»Wirklich? Warum hast du mir nichts gesagt?«

»Ich dachte, wir feiern heute sowieso.«

»Ich hдtte dir etwas schenken kцnnen.«

»Schenk mir etwas, wenn ich wegfahre.«

Laute Musik drang aus dem Haus. »Es fдngt an«, sagte Michel. »Komm schnell.«

In dem geschmьckten Raum hatten viele schon an­gefangen zu tanzen. »Nebenan gibt es ein Programm fьr die Kleinen und die, die nicht tanzen wollen«, er­klдrte Michel. »Was magst du?«

»Tanzen.«

Sie brauchte viel Zeit diesmal, bis sie sich endlich in die Musik hineinfand, viel Zeit und Michels Hand. Aber dann ging es. Es ging dann sogar sehr gut. Ich kann das, dachte sie. Ich kann das immer wieder. Stau­nen und Freude fьhlte sie.

Freiheit.

Sie tanzte schnell, Gesichter schwammen vorbei, fremde Gesichter, und manchmal Michel. Als sie schon fast keine Luft mehr bekam, ging sie mit Michel zu der kleinen Theke.

»Bier«, bestellte Michel. »Du auch, Eva?«

Sie schьttelte den Kopf. »Cola.« Sie sagte das ganz automatisch. Selterswasser wдre ihr lieber gewesen.

»Mach keinen ScheiЯ, Michel«, sagte der bдrtige jun­ge Mann hinter der Theke. »Du weiЯt genau, dass ich dir keins geben darf.«

»Bin gestern sechzehn geworden.«

»Wirklich?«

»Wenn ich es sage!«

Spдter, sie hatten alle im Garten Wьrstchen gegessen, wurde es sehr voll im Tanzraum. Die Musik war jetzt lauter, das Licht schummriger. Jemand hatte die groЯen Deckenleuchten ausgemacht.

Eva tanzte. Sie tanzte auch weiter, als Michel wieder etwas trinken wollte. Sie tanzte allein weiter, merkte kaum, dass er wegging. Ein junge stellte sich neben sie,

so einer mit langen Haaren, hautengen, glдnzenden Hosen und einem bunten Hemd. Ein Angebertyp., aber ein sehr gut aussehender.

»Du tanzt gut«, sagte er und griff nach ihr, wollte sie an sich ziehen.

»Nein«, sagte Eva, die jetzt erst sah, dass viele Paare dicht aneinander gedrьckt tanzten. »Nein, das mag ich nicht.«

»Gefalle ich dir nicht?«, fragte der junge herausfor-

dernd.

Eva lieЯ ihn stehen, drehte sich um und ging zur Theke. Eine Gruppe von Jungen und Mдdchen stand dort herum, Bierflaschen in der Hand.

»Lasst mal Michels Braut durch«, rief ein Rothaari­ger. Die anderen lachten. Eva дrgerte sich, als sie merkte, dass sie rot wurde.

»Michel, deine Frau sucht dich!«, sagte der Rothaa­rige.

Eva wдre am liebsten unsichtbar gewesen. Sie spьrte

plцtzlich, wie verschwitzt sie war, spьrte, wie ihr Kцr-per anschwoll und plump und unbeweglich wurde un-ter den neugierigen Blicken. Doch da war Michel und nahm ihre Hand. »Hдlt's Maul, Pete«, sagte er zu dem Rothaarigen. »Hдlt's Maul und lass mein Mдdchen in Ruhe.«

»Was denn«, antwortete der Rote. »Seit wann bist du so empfindlich? Hдltst dich jetzt wohl fьr was Bes-seres, wie? So toll ist sie ja nun auch wieder nicht. Da-fьr hдttest du zwei kriegen kцnnen.«

Er hat mit mir angegeben, dachte Eva, als sie hinter Michel herging, hinaus in den Garten. Er hat sicher al-len gesagt, dass ich ins Gymnasium gehe. Aber er hat vergessen zu sagen, dass ich so fett bin.

DrauЯen im Freien war es kaum kьhler als im Haus. »Es wird ein Gewitter geben«, sagte Eva.

»Ja.«

»Tut es dir Leid, dass du mich hierher gebracht hast?«

»Nein«, antwortete Michel bцse. »Der Pete ist ein blцder Kerl. Man darf gar nicht hinhцren, wenn er was sagt, so blцd ist der. Komm wieder rein.«

An den Tьrpfosten gelehnt stand der Junge mit der engen Jeans und dem bunten Hemd. »Na«, sagte er. »Wo "war denn mein kleiner Bruder mit seinem Frau-chen? Bisschen Hдndchen halten? Traust du dich ьber-haupt?«

»Lass mich in Ruhe, Frank«, sagte Michel und

drдngte sich an dem Jungen vorbei. Als Eva durch die Tьr ging, streckte Frank die Hand aus und streifte ihre Brust. Eva ging schnell weiter. »Dein Bruder ist nicht besonders freundlich«, sagte sie zu Michel. Er schьt-telte den Kopf. »Wir haben oft Streit. Er ist so.«

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